Bobath Therapie

Bobath Konzept

Die Behandlungsmethode wurde in den 40er Jahren von Dr.h.c. Berta Bobath (Gymnastiklehrerin und Physiotherapeutin 1907 – 1991) und Karl Bobath (Neurologe und Psychiater 1906 – 1991) in London entwickelt. Ursprünglich diente das Konzept zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen mit erworbenen Bewegungsstörungen (z.B. Nach einem Schlaganfall). 

Schon bald wurde das Konzept auch in der Therapie von Säuglingen und Kindern mit angeborenen Bewegungsstörungen angewandt. Ausgehend von dem physiotherapeutischem Ansatz auf neurophysiologischer Grundlage erweiterte sich die Therapie in den 50er und 60er Jahren auf die Ergotherapie und Logopädie. 

Das Bobath-Konzept zeichnet seine große Bandbreite dadurch aus, dass es wachsend, empirisch und ganzheitlich ist. Die Normalentwicklung eines Kindes beinhaltet eine ständige Anpassung zwischen dem Kind und seiner Umwelt. Durch Ausprobieren, Erfahren und Wiederholen lernt es, sich in der Welt zurecht zu finden und entwickelt eigene Handlungsstrategien. Dabei baut sich jede Bewegung auf das zuvor Erlernte auf. Die primitiven Handlungsmuster und Reaktionen werden umgewandelt zu höheren willkürlichen Bewegungsabläufen. Von Tag zu Tag erlernt das Kind stabilere, differenziertere und flexiblere Anpassung in seinem Umfeld. Diese Erkenntnisse über „Lernprozesse“ bilden den Hintergrund für die Therapie auf entwicklungsneurologischer Grundlage.

Bei Kindern, die seit ihrer Geburt an einer zerebralen Schädigung leiden, können aufgrund der zu niedrigen oder zu hohen Muskelspannung und dem Fortbestehen primitiver Reaktionen keine normalen Bewegungen ausgeführt und entwickelt werden. Intelligente Kinder die nicht so schwer geschädigt sind, werden ihre pathologischen Muster ausnutzen, um sich aufzurichten und fortzubewegen. Die pathologischen Bewegungen “schleifen“ sich ein und werden verstärkt, da die Kinder ständig kompensieren müssen. Dies führt später zu Fehlstellungen in den Gelenken und zu Bewegungseinschränkungen. Die Bewegungen können nicht differenziert entwickelt und das Gleichgewicht kann nicht adäquat angepasst werden.

Aufgrund dieser Störungen erlebt das Kind eine veränderte Sensomotorik. Das führt zu Wahrnehmungsstörungen. Die Bobath-Therapeutin hemmt in der Therapie pathologische Bewegungen und bahnt physiologische Bewegungen an. Die Eltern werden von Anfang an in die Therapie einbezogen, indem sie in dem sogenannten „Handling“ unterwiesen werden und erhalten Erleichterung für den Alltag durch eine Hilfsmittelverordnung für ihr Kind.

Wichtig ist die Früherkennung und Frühbehandlung des Patienten mit neurologischen Auffälligkeiten. Vorraussetzung für die Behandlung sind ärztliche Diagnose und die ergänzende fachspezifische Befunderhebung. Die Therapeuten müssen Kenntnisse über die physiologische und sensomotorische Entwicklung und ihre Abweichungen haben, denn ansonsten ist eine Beurteilung des Kindes nicht möglich. Es werden Kinder aller Altersgruppen mit zerebralen Bewegungsstörungen und anderen neurologischen und muskulären Erkrankungen behandelt. Des Weiteren werden Kinder mit kognitiven und perzeptiven Beeinträchtigungen, sowie neurologisch erkrankte Erwachsenen therapeutisch betreut.