Ergotherapie in der Pädiatrie

Ergotherapie in der Pädiatrie ist bei allen Kindern vom Säuglings- bis ins Jugendlichenalter notwendig, wenn ihre Entwicklung verzögert ist, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder sie von Behinderung bedroht oder betroffen sind.

Dies ist unter anderen der Fall bei:

  • Störung des Bewegungsablaufes infolge von Hirnschädigungen
  • Wahrnehmungsdefiziten ( Sensorische Integrationsstörung, Dyspraxie, Koordinationsstörung )
  • Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung im Zusammenhang mit Wahrnehmungsstörungen (visuelle und auditive Teilleistungsstörungen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen)
  • Konzentrationsstörungen
  • ADHS
  • ADS 
  • Störungen der Sozialentwicklung und Kommunikationsfähigkeit
  • psychische Erkrankungen z.B. Verhaltensstörungen, Sozialkompetenzstörungen, Essstörungen 
  • frühkindlicher Autismus 
  • geistige Behinderung, Lernbehinderung 

Die Ergotherapie arbeitet stets mit der Motivation des Kindes, die angebotenen Aktivitäten sollen dem Kind sinn- und freudvolles selbstständiges Handeln ermöglichen. 
Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen emotionalen, geistigen und körperlichen Defiziten, Fähigkeiten und Störungen.

Zur Behandlung eines Kindes benötigen die Ergotherapeuten eine Verordnung des behandelnden Arztes. Die Abrechnung erfolgt über die Krankenkassen.

Beispiele für einige verschiedene Therapieansätze in unserer Praxis:

Wunstorfer Konzept:

Das Wunstorfer Konzept wurde von Britta Winter entwickelt und enthält vielfältige, erprobte Durchführungshinweise und Arbeitsmaterialien für die Gestaltung des ergotherapeutischen Prozesses in der Pädiatrie.

Das Konzept beruht auf dem Canadian Model of Ocupational Perfgormance (CMOP), dem Canadian Practice Process Framework (CPPF) und den Grundgedanken der ICF.
Einige Bausteine des Wunstorfer Konzepts wurden inzwischen eingehender auf die Praktikabilität und Wirkung untersucht und die Ergebnisse können insgesamt als sehr positiv bewertet werden.

Das Wunstorfer Konzept kann generell bei allen Kindern mit Schwierigkeiten im Alltag, Schule und Freizeit angewendet werden.

Mögliche Beispiele sind:

  • Mein Kind trödelt beim Anziehen
  • Mein Kind ist unselbstständig
  • Mein Kind hat Schwierigkeiten sich länger mit einem Spiel zu beschäftigen
  • Mein Kind kann schlecht abwarten bis es an der Reihe ist
  • ADHS
  • ADS

Ziele des Wunstorfer Konzeptes:

  • Verbesserung der Alltagsbewältigung
  • Optimierung der Umgebung des Kindes
  • Strukturierung der Therapieeinheit

Durchführung:

  • Besprechung von aktuellen Problemsituationen
  • Besprechung der Wochenprotokolle, die von den Eltern geschrieben werden
  • Durchführung von Aufpassübungen
  • Erarbeitung von hilfreichen Strategien
  • Einbeziehung des Umfeldes der Kinder (z.B. Eltern, Lehrer, Erzieher etc.)
  • Die Eltern sind während der Therapie anwesend
  • Beratung der Eltern ETET- ergotherapeutisches Elterntraining
  • Das Kind erhält regelmäßig alltagsorientierte Hausaufgaben
  • Anpassung der Umgebung (z.B. Anpassung des Schreibtisches etc.)
  • Reflexion des Erlernten

CO-OP:

(=Cognitive Orientation to daily Occupational Performance, zu Deutsch: Kognitive Orientierung bei der alltäglichen Betätigungsausführung)

Der CO-OP-Ansatz ist auf verschiedenen Ebenen wissenschaftlich erforscht und in seiner Wirksamkeit evaluiert. Er wird v. a. in der Therapie von Kindern mit umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen (UEMF) in den entsprechenden Versorgungsleitlinien als wirksam empfohlen. Darüber hinaus gibt es inzwischen viel versprechende Pilotstudien und Erfahrungen bei CO-OP mit Erwachsenen und Klienten mit anderen Störungsbildern, wie z.B. Autismus, Apolex u.a.
Der CO-OP-Ansatz beruht auf dem betätigungsorientierten und klientenzentrierten Top-Down-Ansatz und auf aktuellen Theorien zum motorischen und kognitiven Lernen. Er befähigt Kinder mit Hilfe der globalen Problemlösungsstrategie und der geleiteten Entdeckung, eigene Strategien zu finden, um für sie bedeutsame Ziele zu erreichen. Dadurch gewinnen die Klienten Selbstvertrauen und erlernen Strategien, auch andere Probleme im Alltag anzugehen. Generalisierung und Transfer sollen eine Übertragung in den Alltag gewährleisten.

Ein kurzes Beispiel:
Tim hat sich für die Ergotherapie u.a. das Ziel gesetzt selber eine Schleife binden zu können. Um dies zu erreichen überlegt er sich erst einmal mit Hilfe der Therapeutin einen detaillierten Plan. Hier schreibt er auf, wie er Schritt für Schritt vorgehen muss oder plant dieses mündlich. Die Therapeutin wendet zur Unterstützung beispielsweise die sog. geleitete Entdeckung an. Als nächstes probiert Tim seinen Plan aus (Tu) und überprüft schließlich, ob er funktioniert hat (Check). Und wenn die Schleife noch nicht richtig fest ist? Dann ist der Plan wohl noch nicht ganz ausgereift gewesen. Ein neuer oder verbesserter Plan wird aufgestellt, ausprobiert und überprüft – solange, bis es auch klappt mit der eigenen Schleife am Schuh.

Das CO-OP ist für Kinder ab min. 5 Jahren ohne erhebliche kognitive oder kommunikative Einschränkungen geeignet. Der Ansatz ist mittlerweile gut wissenschaftlich evaluiert und eine echte Bereicherung für Kind und Therapeut.

Sensorische Integrationstherapie:

Sensorische Integration ist die Aufnahme von Sinnesinformationen. Es ist die Grundlage von Bewegung, Sprache, Lernen und der Schlüssel von sinnvoller Handlung. Dieser Prozess kann gestört sein. Bewegung und Spiel sind die"alltäglichen Betätigung" und damit das "Lernfeld" des Kindes. In diesem therapeutischen Konzept werden solche Handlungsfelder für die Therapie genutzt. Daher kann die Behandlung sehr verschieden aussehen, manchmal wie ein Bewegungsspiel oder eine sportliche Übung, aber auch gestalterisch und handwerklich. Sie kann, je nach Motivation des Kindes und Ziel der Behandlung, in unterschiedlich gestalteten Räumen stattfinden. Für die Entwicklung basaler sensomotorischer Fähigkeiten wird es eher ein Raum mit Bewegungsangebot sein oder ein Raum, in dem Umgang mit Wasser möglich ist.
Die motorische Planung kann auch in einem Werkraum oder einer Küche verbessert werden. Bei der auditiven Verarbeitung wird die Verbesserung der Wahrnehmung unter anderem mittels spezieller Computerprogramme erreicht.

Es ist wichtig, dass die Eltern immer in die Therapie mit einbezogen werden! So können die Eltern Therapieinhalte auch Zuhause anwenden und in den Alltag mit einbeziehen.